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Vom Consort zum Orchester: Die Wiener Akademie feiert Geburtstag

© Amar Mehmedinovic
Mit einem Jubiläumskonzert erinnert das Orchester Wiener Akademie an seine Anfänge vor 40 Jahren, als der junge Organist Martin Haselböck zunächst unter dem Namen „Wiener Bach-Consort“ Gleichgesinnte um sich scharte. Otto Biba, ehemaliger Archivdirektor der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, zeichnet die Entstehungsgeschichte nach.

Von Otto Biba

30.07.2025

Manchmal entwickelt sich etwas aus Anfängen, die man erst gar nicht als solche erkennt, und schließlich zu etwas, das sich ergeben muss, man aber gar nicht planen kann. Im Bach-Jahr 1985 veranstalteten die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und die Österreichische Gesellschaft für Musikwissenschaft im September ein Symposion, das sich der Wirkungsgeschichte Johann Sebastian Bachs widmete. Der Organist Martin Haselböck, der sich im Hinblick auf dieses Jubiläum bereits für den Bau einer Bach-Orgel in der Wiener Augustinerkirche stark engagiert hatte, wurde von den Veranstaltern eingeladen, anlässlich dieses Symposions ein Ensemblekonzert mit einem dem Symposionsthema entsprechenden Programm vorzubereiten; es reichte schließlich von Bach bis Krenek und enthielt auch unveröffentlichte Werke aus dem Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde. Haselböck gründete dafür den Wiener Bach-Consort, der – von ihm vom Cembalo aus geleitet – am 29. September 1985 im Brahms-Saal des Musikvereins zum ersten Mal an die Öffentlichkeit trat. Die ständige Etablierung eines neuen Ensembles in der Wiener Musikszene war allerdings nicht so einfach.
Da kamen Haselböck die damals von der Gesellschaft der Musikfreunde mit Unterstützung des Kulturamtes der Stadt Wien jährlich im März veranstalteten Haydn-Tage zu Hilfe. Geplant und programmiert vom damaligen Generalsekretär Albert Moser, der den prominenten Musikwissenschaftler und Haydn-Forscher H. C. Robbins Landon als Vortragenden und Berater hatte gewinnen können, waren sie eine Veranstaltung der Gesellschaft der Musikfreunde mit Konzerten nicht nur im Musikverein, sondern an verschiedenen zu Haydn passenden Orten in Wien: Wien sollte mit diesem Festival ganz im Zeichen Haydns stehen. Landon schlug für 1986 u. a. die Aufführung von drei bis dahin unveröffentlichten Kantaten Haydns vor, zu denen die Noten im Musikvereinsarchiv überliefert waren: für Orchester wie Gesangssolisten anspruchsvolle Werke, geschrieben für den Esterházy’schen Hof.

Martin Haselböck sah die Chance, sein Ensemble auf Orchesterbesetzung zu erweitern und sich mit dieser attraktiven Aufgabe innerhalb eines Festivals in der Wiener Musikszene zu etablieren. Für dieses Konzert am
11. März 1986 war als fürstlichen Huldigungskantaten entsprechender Ort die Barockgalerie des Österreichischen Barockmuseums im Unteren Belvedere bestimmt. Haydns Kantaten erklangen erstmals im modernen Konzertleben, das Aufführungsmaterial musste eigens hergestellt werden, nicht wie heute mit einem Notenschreibprogramm am PC, sondern handschriftlich.
Als kleines Beispiel, wie ungewöhnlich und neu dieses Unterfangen damals war, sei eine kleine persönliche Erinnerung eingestreut. Haselböcks Hornisten kamen vorab zum Autor dieser Zeilen ins Musikvereinsarchiv, um sich die Noten anzusehen: Sie hätten gehört, da stünden unveröffentlichte Kantaten von Haydn auf dem Programm, Haydn schriebe ja oft so hohe und schwere Hornpartien, vielleicht seien die Kantaten nur deshalb nicht veröffentlicht worden, weil der Hornpart unausführbar sei … Ein Blick in die Noten konnte sie schnell beruhigen: Schwer sind die Stimmen zwar, aber nicht unausführbar, da Haydn die Spielpraxis der Ausführenden im Blick hatte.

Bei diesem Konzert waren die Ausführenden des Instrumentalparts noch als Bach Consort Wien angekündigt, dessen Grenzen von diesem Konzert aber gesprengt wurden. Damals nannte Martin Haselböck die mit ihm Musizierenden erstmals „Wiener Akademie“, er selbst saß als Leiter nicht mehr am Cembalo, sondern stand am Dirigentenpult. Diese Wiener Akademie war im Musikverein auch zu den Haydn-Tagen 1987 und 1989 engagiert, mit bekannten wie selten zu hörenden Werken von Joseph Haydn sowie interessanten Beispielen aus dem Schaffen seines Bruders Michael und seiner Zeitgenossen. Prominente Solisten standen bereit; wenn etwa 1989 einige der im Repertoire so vernachlässigten Einlage-Arien Haydns für Opern anderer Komponisten zum Programmkonzept zählten, dann sang sie Francisco Araiza. Aber es gab nicht nur Aufgaben für Haydn. 1987 spielte die Wiener Akademie einen Händel- und 1988 einen Bach-Schwerpunkt. Ab der Saison 1989/90 hatte die Wiener Akademie einen eigenen Konzertzyklus im Musikverein.
Das Repertoire wurde nach und nach bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in einer Mischung aus großen und nicht ganz so großen Namen erweitert. Da der Gesellschaft der Musikfreunde aber seit jeher auch die Pflege der zeitgenössischen oder jüngsten Musik wichtig ist, stießen bald Komponisten wie Poulenc, Krenek, Berio und Halffter dazu. Nach etwa fünf Gründungsjahren – mehr waren nicht nötig – ergab sich mit dem heutigen „Orchester Wiener Akademie“ ein Klangkörper von bleibendem Bestand.

Donnerstag, 2. Oktober 2025

Orchester Wiener Akademie
Martin Haselböck | Dirigent
Johanna Rosa Falkinger | Sopran
Hannah Fheodoroff | Sopran
Daniel Johannsen | Tenor
Alexandre Baldo | Bass

Johann Sebastian Bach
Schweigt stille, plaudert nicht. Kantate, BWV 211, „Kaffee-Kantate“
Brandenburgisches Konzert Nr. 4 G-Dur, BWV 1049
Was mir behagt, ist nur die muntre Jagd. Kantate, BWV 208

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