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Musik, die man hört, sieht und fühlt The Erlkings und Beat The Silence machen Schubert und Co für alle erlebbar

© Austrian Tourist Office Peak Motion Films
The Erlkings und Beat The Silence machen Schubert und Co für alle erlebbar. Neue Blicke auf Schubert zu bieten – das ist bei „The Erlkings“ seit Jahren höchst erfolgreich Programm. Bei der erstmaligen Zusammenarbeit der Band mit Gebärdenpoetinnen der Initiative Beat The Silence ist das Anfang November im Musikverein sogar wörtlich zu verstehen: Musik soll hier allen Besucher:innen, unabhängig von ihrem Hörvermögen, zugänglich gemacht werden.

Von Werner Rosenberger

07.10.2026

Gebärden für Töne und Worte: The Erlkings und Beat The Silence überstezen Kunstlieder für alle.

Der „Erlkönig“, Goethes berühmte Ballade von 1782, die auf eine alte dänische Volkssage zurückgeht, ist durch Franz Schuberts Vertonung 1815 eines der bekanntesten Lieder der Musikgeschichte. Sie wurde zur Inspiration für den Namen der Band The Erlkings. 2013 von Bryan Benner gegründet, verwandelt sie lyrische Kunstlieder in mit Vitalität, Charme und Leichtigkeit präsentierte Easy-Listening-Songs, wie sie in bester Tradition bereits mindestens seit Henry Purcell existieren. Mit dem musikalischen Vokabular des 20. und 21. Jahrhunderts transformiert das Wiener Ensemble Kunstlieder des klassisch-romantischen Repertoires in zeitgenössische Songs, für ungewöhnliche Besetzung arrangiert. Und stets Freude machen Bryan Benners poetische englische Nachdichtungen, etwa wenn er sich bei Goethes literarischem Erbe mit mystischer Aura zu „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?“ zwar ans Original hält, ihm aber auf Englisch ein Happy End verpasst. Das Kind ist final nicht „dead“, sondern „goes to bed“.
Bryan Benner, der 1988 in Florida geborene Bariton und Gitarrist, bezeichnet sich selbst als „Schubertdour“ und kultureller Botschafter. Er hat klassischen Gesang in mehreren Ländern studiert und kam über Schottland und Italien nach Wien, um hier zu bleiben, wo er den schriftlichen Teil seines Masters über Schubert-Transkriptionen aus dem 19. Jahrhundert abgelegt hat.
Den frischen Sound kreiert er mit dem Cellisten Ivan Turkalj, der auch in einem Klaviertrio spielt und außerdem mit der historischen Aufführungspraxis auf dem Barockcello vertraut ist; mit dem Schlagzeuger Thomas Toppler, der in Paris an der École Philippe Gaulier Theater studiert hat und Nestroypreisträger ist; und mit dem Tubisten Simon Teurezbacher, der seine ländlichen Blaskapellen- und Orchestererfahrung einbringt.

Die kunstliedaffine Band passt in keine Schublade. Sie interpretiert die tiefgründige empathische Welt Schuberts mit dem breiten musikalischen Wortschatz der Gegenwart. Ihr Sound: spritzig, frisch, unkonventionell. Die Liedtexte: englisch, nicht eins zu eins übersetzt, sondern frei interpretiert mit poetischem Touch, in einem leicht archaisierenden Englisch, das von Benners Liebe zu Shakespeare und Monty Python inspiriert ist. Der Text ist Ausgangspunkt jeder Bearbeitung. Die Arrangements entstehen im Kollektiv: Gemeinsam studieren sie den originalen Notentext der Klavierbegleitung, und jeder entwickelt daraus seinen eigenen instrumentalen Part. Die Konzertprogramme sind kein „Best of“, sondern dramaturgisch wie Theaterstücke gebaut. Schubert und Co sollen nicht „modernisiert“, sondern wie zeitlose Songwriter wirken.

© Pascal Riesinger
© Pascal Riesinger

Dabei ist das Quartett keineswegs darauf aus, die Preziosen des Liederfürsten zu dekonstruieren, sondern betont die Originaltreue trotz der unkonventionellen Instrumentenbesetzung. „Harmonik, Melodie und Form werden grundsätzlich nicht verändert“, so Benner, „nur die Verteilung der Stimmen auf Gitarre, Cello, Tuba, Vibraphon und Schlagzeug ist neu.“ Die Instrumente werden wie Figuren eingesetzt: Die Tuba spielt zart zurückhaltend die Basslinie, charakterisiert gelegentlich den Wanderer, simuliert Naturlaute oder übernimmt mitunter eine zweite Singstimme. Das Vibraphon ersetzt klangliche Funktionen des Klaviers, und das Cello deckt oft die lyrische Ebene ab. Dadurch entsteht keine orchestrale Verdichtung, sondern eine Art musikalisches Theater. Sieben Alben hat das mit einer beeindruckenden Leichtfüßigkeit aufspielende Ensemble bisher veröffentlicht, mit unorthodoxen Klängen, die gleichermaßen berühren und überraschen.

Musik wird gehört. Und kann sich auch sehen lassen: Der Musikverein veranstaltet mit der Wiener Kulturinitiative Beat The Silence die Konzerte von The Erlkings akustisch barrierefrei für hörende, schwerhörige und gehörlose Menschen: Gebärdenpoesie – eine expressive Verbindung aus Tanz und Gebärdensprache – erzählt dabei Musik durch Bewegung und wird auf einer visuellen Ebene für Communities mit unterschiedlichen Hörvoraussetzungen zum Erlebnis. „Wie erzählt man Menschen, dass Musik etwas Schönes ist, obwohl sie sie noch nie wahrgenommen haben?“, fragten sich die Gründer von Beat The Silence. Projektleiterin Anna Blaskó: „Wir wollen Musik für alle Ohren machen und akustische Barrierefreiheit schaffen.“ Also: Musik auch jenen Menschen anbieten, die sie nicht hören können.

So erzählen und performen die beiden Gebärdenpoetinnen Anja Burghardt und Sonja Hanl im Musikverein die Liedtexte. Das hat etwas Spielerisches, vor allem, weil es nicht immer um wörtliche Übersetzungen der Texte geht, sondern um die Übertragung von Geschichten und Symbolen, aber auch von Rhythmus, Dynamik, Klangfarbe und emotionaler Wirkung in eine visuelle Kunstform. So vermitteln sie auch Teile der Musik, die zwangsläufig ohne Text auskommen, und spielen Szenen nach, die zum Song passen. Beat The Silence hat also einen künstlerischen Wert, der sich nicht auf Menschen mit einer Hörminderung beschränkt.

Eine induktive Höranlage ermöglicht zusätzlich einen klaren Klang für Menschen mit Hörhilfen wie etwa Cochlea-Implantaten und Hörgeräten. Moderation und Ansagen werden in Österreichischer Gebärdensprache gedolmetscht. Beim Performen kommt eine andere Ebene hinzu, mit Visualisierung, Rhythmus, Timing, Dynamik und Emotionen, alles abgestimmt auf die Musik.

Freitag, 6. November 2026
Samstag, 7. November 2026

The Erlkings / Beat The Silence
The Erlkings in Kooperation mit Beat The Silence

Musik von Schubert, Schumann, Brahms u. a.
Konzert für Publikum ab 10 Jahren

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