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Serenaden und Emojis

© Julia Wesely
Premiere für die „Hör-Bar“ mit Petr Popelka

Von Redaktion

13.03.2026

Wiens Musikleben ist seit 13. Jänner 2026 um ein innovatives Konzertformat reicher. An diesem Tag lud Petr Popelka, Chefdirigent der Wiener Symphoniker, erstmals gemeinsam mit Musiker:innen seines Orchesters in den Gläsernen Saal des Musikvereins zur „Hör-Bar“ ein. Fast im Laufschritt zogen zu Beginn zehn Bläser:innen, ein Cellist und zwei Kontrabassisten in den dicht besetzten Saal ein. Sie formierten sich kreisrund in der Mitte des stimmungsvoll ausgeleuchteten Raums und setzten zum marschartigen ersten Satz von Dvořáks Serenade d-Moll, op. 44, an. Treibende Kraft mit federndem Bogenstrich an einem der Bässe war Popelka selbst, der an diesem Abend außerdem noch als Pianist, Dirigent und Moderator in Erscheinung trat. Informativ und pointenreich führt er durch den Abend, der trotz der beträchtlichen Spieldauer von fast zweieinhalb Stunden wie im Flug verging. Rasant gestaltete sich auch die Abfolge der einzelnen Werke, die – in Anlehnung an Salonkonzerte oder Akademien des 19. Jahrhunderts – vielfach nur ausschnittweise gespielt wurden. Der Abend thematisierte den künstlerischen Raum, der sich zwischen Prag, Wien und Budapest erstreckte.
Ein besonderes Anliegen war es Popelka, mit Emánuel Moór einen ungarischen Komponisten in Erinnerung zu rufen, der auch als Erfinder Fortune machte (unter anderem entwickelte er einen Doppelmanualflügel). Einst ein Schüler Bruckners in Wien und gefördert von Pablo Casals, ist sein Werk in der Verlagslandschaft heute nur noch schwer greifbar – für die „Hör-Bar“ mussten die Instrumentenstimmen sogar extra angefertigt werden. Und weil das Werk aufgrund fehlenden Notenmaterials „wahrscheinlich nie wieder gespielt wird“, entschied sich Popelka kurzerhand dazu, es in der „Hör-Bar“ gleich ein zweites Mal aufzuführen.
Zeitgenössische Aspekte streute Petr Popelka dann in die zweite Hälfte des Abends ein. „Emojis, Likes und Ringtones“ seines Landmannes Miroslav Srnka fanden beim Publikum ähnlich großen Anklang wie Olga Neuwirths erfolgsverwöhnte „Hommage à Klaus Nomi“ für Countertenor und Ensemble. Davor machte sich der Chefdirigent der Wiener Symphoniker am Klavier für einen seiner Lehrmeister, den Ungarn Peter Eötvös, stark, dem er bei Studienaufenthalten in Budapest wichtige Impulse für sein musikalisches Fortkommen als Komponist, Dirigent und wohl auch als sprühender Vermittler verdankt. Die nächste „Hör-Bar“ findet am 24. April statt und ist im Rahmen des Festivals „Beethovens Spazierstock“ dem Thema „Wanderschaft“ gewidmet.

© Julia Wesely
© Julia Wesely

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