Am richtigen Ort – Die Sopranistin Serafina Starke
Von Ulrike Lampert
06.07.2026
Zum Gespräch kommt Serafina Starke direkt aus der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, an der sie zum Abschluss ihrer zwei Jahre im Opernstudio gerade als Blonde mitten in den Proben für eine Neuproduktion von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ steckt. Anzeichen von Müdigkeit oder gar Erschöpfung? Fehlanzeige. Die junge Sopranistin, Jahrgang 2000, sprüht durchs Telefon geradezu vor Energie und natürlicher Freundlichkeit.
Die Musik scheint der richtige Ort für sie zu sein. Sie wusste bereits im Alter von fünf Jahren: „Ich werde Musikerin“ – nur dachte sie damals eher an eine Laufbahn als Geigerin denn als Sängerin. Schon mit drei Jahren lernte sie Klavier und Violine, die ihr Hauptinstrument wurde. „Ich konnte Noten lesen, bevor ich Buchstaben lesen konnte“, erzählt sie. „Im Grunde habe ich zwei Muttersprachen: Deutsch und Musik.“
Das kommt nicht von ungefähr. Serafina Starke ist in einer höchst musikalischen Familie aufgewachsen. Ihre Mutter ist Pianistin und Sängerin und unterrichtet an der Musikhochschule München, an der ihr Vater, ein Klarinettist, Professor und einige Jahre Vizepräsident war. Der um vier Jahre jüngere Bruder ist ebenfalls Klarinettist und macht bereits auch als Dirigent auf sich aufmerksam. Praktisch jährlich nahmen die beiden Geschwister am Wettbewerb Jugend musiziert teil, sie spielten im Jugendorchester Attacca der Bayerischen Staatsoper und wirkten regelmäßig im Kinderprogramm der Münchner Philharmoniker mit. Zusätzlich zur Musik erhielt Serafina Starke einige Jahre lang Ballettunterricht und begann mit 13 Jahren, Badminton zu spielen – eine Randsportart, die sie leistungssportmäßig betrieb, inklusive Training fünfmal in der Woche und hervorragenden Meisterschaftsplatzierungen.
Serafina Starkes Sängerinnen-„Schicksal“ nahm seinen Ausgang mit einer Anfrage an ihre Mutter. Die Opera Incognita, eine unabhängige private Münchner Compagnie, war auf der Suche nach zwei Kinderdarstellern für die Partien Flora und Miles in Benjamin Brittens „The Turn of the Screw“. „Geh doch einfach mal zum Vorsingen“, habe ihre Mutter gemeint. „Ich habe bis dahin nie ernsthaft Gesangsunterricht gehabt und als Kind einfach immer nur irgendetwas vor mich hin geträllert und gesungen. Also bin ich zu diesem Vorsingen gegangen und habe die Rolle der Flora bekommen“, so Serafina Starke. „Das war der Sommer, der alles verändert hat.“
Singen: „Das möchte ich mein Leben lang machen.“ Serafina Starkes Entschluss im Alter von 13 Jahren
Der unmittelbare Kontakt mit professionellen Sänger:innen („Die waren damals wahrscheinlich so alt wie ich jetzt, aber sie kamen mir total erwachsen und professionell vor“), die konzentrierte Probenarbeit, die Verbindung von Singen, Tanzen und Schauspielen lösten einen Entschluss in ihr aus: „Das möchte ich mein Leben lang machen.“
Daraufhin erhielt sie von ihrer Mutter die ersten Gesangsstunden. Zwei Jahre später machte sie die Aufnahmsprüfung am Mozarteum in Salzburg, wo Ildikó Raimondi ihre Lehrerin wurde und sie parallel dazu auch vier Jahre lang Violine bei Werner Neugebauer studierte. Es war ihr wichtig, auch mit dem Instrument, das sie schon so lange begleitet hatte, noch weiterzukommen. „Aber irgendwann muss man sich entscheiden“, sagt sie. Ihren Master in Gesang machte sie an der Musikhochschule München bei Daniela Sindram.

Und dann kam auch schon die Aufnahme ins Internationale Opernstudio der Staatsoper Berlin, an der sie mit kleineren Partien begann, an der ihr aber auch sehr schnell ziemlich viel zugetraut wurde. Ein Höhepunkt und großer persönlicher Erfolg war im vergangenen Herbst die Olympia in „Hoffmanns Erzählungen“, ein Einspringen von jetzt auf gleich – eine tolle Chance und ein „unglaubliches Erlebnis“ für die junge Sängerin nach einem Jahr im Opernstudio. Sie sang insgesamt 22 Mal die Papagena in der „Zauberflöte“, Frasquita in „Carmen“, Echo in „Ariadne auf Naxos“ und Isotta in einer Neuproduktion der „Schweigsamen Frau“ unter Christian Thielemann. Ab sofort ist Serafina Starke freischaffend tätig und für die „Zauberflöte“ gleich wieder an der Berliner Staatsoper engagiert, nun allerdings als Pamina. Es ist eine ihrer „Traumrollen“: „Als ich so etwa zehn Jahre alt war, hatte ich eine CD mit der ,Zauberflöte‘. Ich habe sie jeden Tag hoch und runter gehört, alle Rollen mitgesungen und meine eigenen Inszenierungen erschaffen.“
2022 nahm Serafina Starke bei den Salzburger Festspielen am Young Singers Project teil und war die Prinzessin in der Kinderproduktion „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“. Im Jahr darauf kehrte sie als Barbarina in der Neuinszenierung von „Le nozze di Figaro“ nach Salzburg zurück und sang auch das Sopransolo in Verdis „Te Deum“ unter Riccardo Muti. Mittlerweile ist sie an der Bayerischen Staatsoper, bei den Bregenzer Festspielen, den Osterfestspielen Baden-Baden und den Händel-Festspielen Halle aufgetreten, und sie war Solistin in Mozarts c-Moll-Messe, in Haydns „Schöpfung“ sowie in Bachs h-Moll-Messe in Leipzig und „Johannes-Passion“ am Opernhaus Zürich. In der neuen Saison steht sie in Zürich neben Diana Damrau, einem ihrer großen Idole, als Valencienne in der „Lustigen Witwe“ auf der Bühne und singt das Taumännchen in „Hänsel und Gretel“ mit den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko.
Dem Liedgesang widmet sich Serafina Starke regelmäßig mit der Pianistin Rebeka Stojkoska. Diese war es, die den Vorschlag gemacht hatte, gemeinsam beim Paula Salomon-Lindberg-Wettbewerb „Das Lied“ 2024 teilzunehmen. „Warum eigentlich nicht“, habe sie sich gedacht, so die Sopranistin. Sie gingen mit dem Dritten Preis nach Hause – und ein Lied-Duo war geboren. „Wir verstehen uns auch persönlich so gut“, erzählt Serafina Starke. „Ich denke, man merkt auch auf der Bühne, wie gut wir miteinander harmonieren. Und wir spüren das auch schon, wenn wir zusammen proben: dass wir uns verstehen, ohne dass eine von uns etwas sagen muss.“
Ihr gemeinsames Wien-Programm werden sie im Sommer in München proben, wenn die Vorstellungen der „Entführung aus dem Serail“ in Berlin vorüber sind. Dann haben sie Zeit und Muße, sich auf die Lieder von Schubert bis Zemlinsky zu konzentrieren, die sie nach drei Themenkreisen ausgewählt haben: „Im Gewand der Poesie“, „Mythen“ und „Es flirret das Licht“.
Ganz gleich, ob Serafina Starke in der Oper, in einem Konzert oder einem Liederabend auf der Bühne steht: „Jedes Mal spüre ich: Ich bin wirklich am richtigen Ort, ich mache genau das, was ich machen sollte – und darüber bin ich sehr glücklich.“
Konzerte um 12
Lunchkonzerte im Brahms-Saal
Donnerstag, 17. September 2026
Serafina Starke | Sopran
Rebeka Stojkoska | Klavier
Schubert, Schumann, Wolf, Mahler u. a.
Dienstag, 10. November 2026
Barbican Quartet
Purcell, Clarke, Adès, Mozart
Dienstag, 15. Dezember 2026
Hana Chang | Violine
Arthur Hinnewinkel | Klavier
Mozart, Sibelius, Grieg
Donnerstag, 18. Februar 2027
Marie-Ange Nguci | Klavier
Jacquet de La Guerre, Liszt, Ravel
Mittwoch, 31. März 2027
Trio Orelon
Schostakowitsch, Schubert
Mittwoch, 5. Mai 2027
Kiron Atom Tellian | Klavier
Mozart, Brahms, Skrjabin, Ravel
Montag, 7. Juni 2027
Lukas Hasler | Orgel
Price, Mozart/Grieg, Franck, Schumann, Bach
Dauer der Konzerte: ca. eine Stunde ohne Pause
Nach den Konzerten besteht für Konzertbesucher:innen die Möglichkeit, im Gottfried-von-Einem-Saal einen Imbiss einzunehmen. Vorbestellungen und Vorauszahlungen sind ab Beginn des Einzelkarten-Vorverkaufs möglich.
Mit freundlicher Unterstützung der Christian Zeller Privatstiftung