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Offene Kinderherzen und ganz viel Musik

© Amar Mehmedinovic
Albert Landertinger und das Projekt „The Power of Music“ Musik als Erlebnis, das verbindet, inspiriert und Türen öffnet: Mit dem Projekt „The Power of Music“ bringen der Musikverein Wien und das Gesundheits- und Sozialzentrum CAPE 10 seit der vergangenen Saison Kinder aus dem 10. Wiener Gemeindebezirk mit klassischer Musik in Berührung – eine Zwischenbilanz.

Von Theresa Steininger

19.11.2025

„Ist das hier der Musikverein? Oder dieses Haus?“ Aufgeregtes Getuschel dringt aus der Kindergruppe, die sich dem Musikverein an diesem Vormittag nähert. Für sie ist dieses ehrwürdige Gebäude komplettes Neuland, waren sie doch noch nie hier. Sie kommen im Rahmen des Projekts „The Power of Music“, das vom Musikverein Wien und dem Gesundheits- und Sozialzentrum CAPE 10 seit der vergangenen Saison angeboten wird. Dabei werden rund 400 Kinder, darunter einige aus armutsgefährdeten und sozial benachteiligten Familien, aus verschiedenen Volksschulen im 10. Wiener Gemeindebezirk kostenlos zu extra für sie konzipierten Veranstaltungen im Musikverein eingeladen. Darüber hinaus gibt es auch Auftritte von Künstler:innen, die im Musikverein engagiert sind, in den Räumlichkeiten von CAPE 10. Für die meisten Teilnehmenden von „The Power of Music“ sind diese Veranstaltungen die ersten Konzertbesuche überhaupt.

Das Projekt entstand aus der Überlegung heraus, dass das Menschenrecht, am kulturellen Leben teilzunehmen, nicht durch Barrieren finanzieller Art oder aus anderen Gründen gefährdet werden soll. Intendant Stephan Pauly betont: „Wir wollen Musik machen für alle, die diese erleben wollen – und Hürden abbauen, die das verhindern könnten. Jede und jeder soll erfahren dürfen, wie lebensbereichernd Musik sein kann.“ Und Silvia Bruni, die Geschäftsführerin von CAPE 10, sagt: „Wir wollen den Kindern Konzerte an einem besonderen Ort ermöglichen, wo sie die Kraft der Musik spüren und selbst Teil des Programmes werden. Und wir möchten ihnen signalisieren: Ihr seid wichtige Mitglieder der Gesellschaft – ihr werdet gesehen, gehört und wertgeschätzt.“

© Lukas Beck

Ziel des Projekts ist es, Menschlichkeit, Empathie, Wärme und nicht zuletzt Schönheit in der Musik zu suchen und zu finden.

In der ersten Spielzeit seit der Gründung standen mehrere Konzerte von „Albertos Abenteuer“, Auftritte von ECHO-„Rising Stars“-Künstler:innen und ein Weihnachts-Sing-Along im Großen Saal unter der Schirmherrschaft von Mezzosopranistin Elīna Garanča auf dem Programm. Mittlerweile ist das Projekt bereits in die zweite Saison gestartet.

Musikalisches Mastermind und Aushängeschild des Projekts ist Albert Landertinger, vielen bekannt durch seine Musikvermittlungsprogramme „Topolina“ und „Albertos Abenteuer“. So wie in diesen stets Kinder zum aktiven Mitmachen aufgerufen sind und dazu von ihm angeleitet und motiviert werden, ist er es auch, der für die Initialzündung für die „The Power of Music“-Termine in den Klassen sorgt. Im Vorfeld jedes Konzerts hält Landertinger eine Lehrerfortbildung ab, bei der er den Pädagoginnen und Pädagogen zeigt, wie Schülerinnen und Schüler bei der nächsten Veranstaltung selbst im kleinen Rahmen aktiv werden können. Alle Klassen lernen dann beispielsweise Bewegungen zu Musikstücken, die fürs Mitmachen vorgesehen sind, in der Schule. Oder sie studieren mit ihren Pädagogen und Pädagoginnen von Landertinger zugesandte Texte und Melodien ein, um dann im Konzert selbst mitzusingen. Bei diesem meldet sich dann pro Abschnitt ein Teil der Kinder, um mit Landertinger auf dem Podium aufzuführen, was sie geübt haben. Die anderen dürfen vom Publikum aus mitmachen – und sich eventuell bei nächster Gelegenheit einbringen.
Bei dem, was die Kinder vorbereiten und zu den Konzerten beitragen, geht es keinesfalls um Perfektionismus, sondern vielmehr darum, ein Gefühl für die Musik zu bekommen und sich mit dieser intensiv zu beschäftigen, betont Landertinger: „Unser höchster Anspruch ist, dass sich die Schülerinnen und Schüler in den Konzerten wohlfühlen.“ Gleichzeitig weiß er aus jahrzehntelanger Erfahrung als Musikvermittler: „Wenn die Kinder sich nicht nur berieseln lassen, sondern aktiv mitmachen, können sie noch mehr in die Stücke eintauchen. Selbst wenn beim ersten Konzert noch manche verhalten sind, so sind spätestens beim zweiten alle ganz heiß darauf, mitzumachen. Auch die Lehrerinnen und Lehrer geben mir die Rückmeldung, dass die Kinder das Gefühl bekommen, ein Teil des Konzerts zu sein – und dass das für sie wunderschön ist. Dieses Reinspüren in die Musik ist für viele neu und etwas ganz Bereicherndes.“
Für diese kleinen Auftritte wird zwar im Klassenverband geprobt, aber Albert Landertinger schult eben vorab die Pädagoginnen und Pädagogen und steht auch ansonsten beratend zur Seite. Bei den Workshops für Lehrer:innen, die auch generell zum gemeinsamen Muszieren im Klassenzimmer inspirieren sollen und so nachhaltig wirken mögen, „kläre ich auch immer ab, ob das Noten- und Textmaterial, das ich geschickt habe, für die Klassen gut passt“, sagt Landertinger. „Ich bin viel im Austausch mit den Pädagoginnen und Pädagogen, um zu erfahren, wie es mit den Rhythmen geht, ob der Text zu schwierig ist oder wie generell die Stimmung ist.“

Der Musikverein mache „auf Kinder, die sonst nicht aus ihrem Grätzel und ihrer Blase rauskommen, beim ersten Besuch natürlich ziemlichen Eindruck“, so Landertinger. Er bekomme von Lehrerinnen- und Lehrerseite die Rückmeldung, „dass es gerade für diese Kinder wichtig ist, ein schönes Konzert in einem für sie aufregenden Umfeld zu erleben“. Gleichzeitig habe er nicht das Gefühl, dass sie aus Ehrfurcht vor der Geschichte des Hauses gehemmt seien: „Wenn das Konzert losgeht, machen sie einfach mit, was sie geübt haben. Zudem merken wir, dass die Kinder sich mit Fortschreiten der Saison immer noch wohler und ein bisschen wie zu Hause fühlen.“ Dass es ergänzend die Konzerte der Rising Stars gibt, die in den Räumlichkeiten von CAPE 10 im 10. Bezirk stattfinden, und „somit Künstler und Künstlerinnen aus dem Musikverein dann in ihre Umgebung kommen, hat wieder einen anderen Reiz, was sich gut ergänzt“, sagt Landertinger. Die Schülerinnen und Schüler können also Musik bei sich im Grätzel erleben und sich gleichermaßen im Musikverein daheim fühlen.
Für Albert Landertinger ist klar: „Die Kinder wollen einfach Spaß haben mit der Musik – und lernen intuitiv und wie im Vorbeigehen, wie es einerseits ist, Musik zu machen, und andererseits, diese in einem Konzertsaal zu genießen. Ich denke, dass das in vielerlei Hinsicht sehr nachhaltig sein kann. Was wir mit dem Projekt vermitteln wollen, ist, dass wir Menschlichkeit, Empathie, Wärme und nicht zuletzt Schönheit in der Musik suchen und finden. Und wenn nach den ‚The Power of Music‘-Konzerten so viele Kinder zu mir kommen und sagen, dass das ihr schönstes Erlebnis war, dann geht mir das Herz auf.”

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