Unerschrocken und neugierig – Fokus Maxime Pascal
Von Ulrike Lampert
22.03.2026
Der Name Maxime Pascal ging 2014 von Salzburg aus um die Klassikwelt, als der damals 28-jährige Franzose im Rahmen der Festspiele den Young Conductors Award gewann. Innerhalb kurzer Zeit konnte sich Maxime Pascal als herausragender Interpret von Musik des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart etablieren, die zur Grundlage seiner internationalen Engagements wurde und ihn auch mehrfach nach Salzburg zurückführte, unter anderem 2023 für Martinůs „The Greek Passion“ – sein Debüt bei den Wiener Philharmonikern.
Der 1985 in Nantes Geborene zeichnet sich durch ein Höchstmaß an Unerschrockenheit und Neugier aus. Was er sucht, womit er sich beschäftigen und was er aufführen möchte, ist schlicht „gute Musik“. Und das, sagt er, „ist keine Frage der Epoche. Es gibt in jeder Zeit gute Musik, man findet Faszination, Inspiration zu allen Zeiten, an allen Orten.“
Für den Sohn eines Jazz-Posaunisten und einer Klavierlehrerin war das musikalische Spektrum von Haus aus breit. Er erhielt Unterricht in Violine und Klavier, zeichnete, schrieb – und ging zum Studium nach Paris ans berühmte Conservatoire, wo François-Xavier Roth sein Dirigierlehrer wurde. Hier lernte er – in einer der Theorieklassen in der Nachfolge von Olivier Messiaen – nicht zuletzt auch, „Musik sehr umfangreich und aus verschiedenen Perspektiven zu analysieren – aber auch selbst in den Stilen unterschiedlicher Zeiten zu schreiben – und sie mit aller Musik, die davor und danach komponiert wurde, zu verbinden; auch mit Musik aus anderen Teilen der Welt“. Dieser umfassende Ansatz wirkte prägend und inspirierend zugleich. Bereits während des Studiums gründete Maxime Pascal 2008 mit Gleichgesinnten das Ensemble Le Balcon, benannt nach dem Theaterstück Jean Genets, ein höchst innovatives Kollektiv aus Musik- und Musiktheaterschaffenden, das sich in der Besetzungsgröße, der visuellen und szenographischen Gestaltung wie auch im Zusammenspiel mit dem Soundsystem oder mit elektronischer Musik den jeweiligen Projekten anpasst.

Als Künstler im Fokus führt Maxime Pascal sein Ensemble Le Balcon Ende November erstmals in den Musikverein: für eine Aufführung von „Bhakti“ für Kammerensemble und quadrophones Tonband, ein deutlich von hinduistischer Spiritualität inspiriertes Werk des britischen Komponisten Jonathan Harvey. Diesem Konzert in Zusammenarbeit mit Wien Modern geht Anfang November Maxime Pascals Debüt bei den Wiener Symphonikern und beim Wiener Singverein voran. An deren Pult dirigiert er die „Grande Messe des Morts“ von Hector Berlioz, die der Komponist selbst zu seinen wichtigsten Werken zählte. Im März kommt es für Maxime Pascal dann zu einem Wiedersehen mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Im Zentrum dieses Programms steht Bernd Alois Zimmermanns „Musique pour les soupers du Roi Ubu“, ein „Ballet noir“ für Orchester und Jazz-Combo, dessen vielfältiges Instrumentarium der Ausführung einer beachtlichen Auswahl an musikalischen Zitaten von der Renaissance bis zu Zeitgenossen des Komponisten dienlich ist.
Mit dem RSO Wien gab Maxime Pascal im Juni 2024 sein Debüt bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und bereits im Jahr zuvor am Theater an der Wien in einer Neuproduktion von Alban Bergs „Lulu“. In die Musikstadt Wien einzutauchen, ihren musikalischen Geist zu atmen und im Besonderen jenen der Zweiten Wiener Schule, das wurde für ihn „zu einer unvergesslichen Erfahrung“. Daran kann er nun anknüpfen, wenn er mit einem Ensemble der Wiener Philharmoniker Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ zur Aufführung bringt – in jener Kammerorchesterfassung, die Arnold Schönberg für eines der Konzerte des Vereins für musikalische Privataufführungen vorgesehen hatte. Mit diesem urwienerischen Projekt beschließt Maxime Pascal im April den Reigen seiner Fokus-Konzerte im Musikverein.