In memoriam Alfred Brendel 1931–2025
Die Gesellschaft der Musikfreunde trauert um den österreichischen Pianisten Alfred Brendel, der am 17. Juni im Alter von 94 Jahren in London verstarb. Wer Brendel sagt, muss auch Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert sagen, deren Werken er, auch durch zyklische Aufführungen, zu einer Neubewertung im internationalen Konzertwesen verhalf. Aber auch andere Komponisten kommen einem in den Sinn, wenn man an den Pianisten denkt, der zu den prägenden Musikern des 20. Jahrhunderts zählt. So verehrte er zum Beispiel den späten Liszt und setzte sich auch immer wieder für Schönbergs Klavierkonzert ein.
Wer die Konzerte von Alfred Brendel besuchte, vermied es zu husten. Zu groß war das Risiko, eine Irritation des Künstlers auf der Bühne zu provozieren. Die immense Konzentration, die er sich bei der sensiblen Gestaltung des klassisch-romantischen Klavierrepertoires abverlangte, sollte auch für das Publikum gelten. Vielleicht war auch das ein Grund, warum die vielen Konzerte, die er rund um die Welt gab, zu regelrechten Weihestunden der klassischen Musik gerieten.
Auch im Musikverein gab es reichlich Gelegenheit, den großen Pianisten zu feiern. 170 Konzerte gab er hier seit dem Jahr 1950, unter anderem auch als Liedbegleiter von Hermann Prey und Matthias Goerne. Als Solist spielte er in Wien regelmäßig mit den Wiener Symphonikern und den Wiener Philharmonikern, am Pult standen dabei Dirigenten wie Claudio Abbado, James Levine, Sir Simon Rattle, Bernard Haitink und Sir Charles Mackerras. Unter Letzterem gab er im Dezember 2008 sein international vielbeachtetes Abschiedskonzert im Großen Musikvereinssaal. Auf dem Programm stand damals Mozarts „Jenamy“-Konzert KV 271.

Mit dem Abschied von der Konzertbühne schuf sich Alfred Brendel zeitliche Kapazitäten für seine anderen Neigungen. Er schrieb Bücher, malte und trat als Vortragender auf, dem bei seinen tiefsinnigen Betrachtungen immer auch der Schalk im Nacken saß. Als Fürsprecher Haydns, mit dessen Symphonien er sich an seinem Lebensabend ausführlich auseinandersetze, war er zuletzt noch am 8. April 2024 im Brahms-Saal mit einem Vortrag zu Gast – auf jener Bühne, auf der er am 5. März 1950 bei der Gesellschaft der Musikfreunde debütiert hatte.
Noch am Todestag widmeten die Gesellschaft der Musikfreunde und die beteiligen Künstler:innen das Wiener-Symphoniker-Konzert unter der Leitung von Lorenzo Viotti dem Verstorbenen. Stephan Pauly, Intendant des Musikvereins, würdigte Alfred Brendel zu Beginn als einen der Großen der Musikgeschichte unserer Zeit: „Alfred Brendel hat die Musikwelt in besonderem Maße geprägt. Seine künstlerische Integrität, seine geistige Schärfe, seine maßstabsetzenden Interpretationen des klassisch-romantischen Repertoires und seine unnachahmliche Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor werden uns lang in Erinnerung bleiben. Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien wird ihm stets dankbar ein ehrendes Andenken bewahren.“