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Durch Musik Kraft und Zuversicht schöpfen – Klimaexpertin Helga Kromp-Kolb im Gespräch

© Michael Goldgruber
Helga Kromp-Kolb, eine der renommiertesten Wissenschaftler:innen Österreichs, ist Meteorologin und Klimaforscherin. Sie gründete das Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit und zählt zu den international prägendsten Stimmen der Klimaforschung. Im Eröffnungsvortrag des Programmschwerpunkts „Fokus Klima: ZERO?“ spricht sie unter dem Titel „Das große Ganze“ über Wissen, Wandel und Verantwortung beim Klimawandel.

Von Nicola Bramkamp

20.02.2026

Frau Professor Kromp-Kolb, wo steht Österreich aktuell im globalen Kontext der Klimakrise – und welche Entwicklungen halten Sie aus heutiger Sicht für unumkehrbar, selbst wenn wir unsere Klimaziele erreichen?
Österreich ist derzeit alles andere als ein Musterland, im Klimaschutz liegen wir weit hinter anderen europäischen Staaten, und in der Klimawandelanpassung gibt es zwar gute Ansätze, aber kaum strukturelle Unterstützung. Dabei ist Österreich als alpines Binnenland stark betroffen – in der Landwirtschaft wird Bewässerung zur Notwendigkeit, die Forstwirtschaft leidet schon jetzt unter Schädlingen, und der Wintertourismus bricht in mittleren Lagen weg. Das Erreichen der Klimaziele verhindert bestenfalls weitere Verschlechterungen, keine Rückkehr zu früheren Klimaverhältnissen.

Bei all den düsteren Nachrichten: Wie können wir trotzdem zuversichtlich bleiben?
Es ist wichtig zu betrachten, welchen Weg wir bereits zurückgelegt haben: Die Prognosen für 2100 gehen nicht mehr von plus 5 oder 6 Grad Celsius Erwärmung aus, wie 2015, sondern von etwa 2,5 bis 3 Grad. Das ist ein Fortschritt. Außerdem ist es leichter, zuversichtlich zu bleiben, wenn man selber aktiv ist. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist die „Plant-for-the-Planet“-Bewegung, die Kinder ermutigt, Bäume zum Schutz des Klimas zu pflanzen, und damit durch Selbstwirksamkeit und durch Information über den Klimawandel undefinierte Ängste nimmt. Auch Erwachsene leben glücklicher, wenn sie sich nicht als hilflose Opfer sehen, sondern etwas gegen die Klimakrise tun.

© Michael Goldgruber

Was braucht es auf politischer Ebene, um die Klimakrise noch in den Griff zu bekommen?
Individuelles klimafreundliches Handeln muss durch strukturelle Änderungen erleichtert werden; das bedeutet, dass öffentlicher Verkehr verfügbar und bequem sein muss, dass effiziente, reparierbare Geräte billiger sein müssen als ineffiziente Wegwerfprodukte, dass die attraktivsten Anlageoptionen nicht Waffen und fossile Brennstoffe sein dürfen etc. Derartige Rahmenbedingungen muss die Politik schaffen. Das erfordert klare Kommunikation hinsichtlich der Risiken des Nicht-Handelns, Einbeziehung aller Interessengruppen in die Gestaltung der Maßnahmen, Transparenz bezüglich der Ziele, der berücksichtigten Interessen und ein Mindestmaß an Gerechtigkeit. So müssen etwa die Hauptverursacher – dazu zählen die vermögenden obersten zehn Prozent der Bevölkerung jedes Landes – auch einen angemessenen Teil der Last tragen.

Ist Klimaschutz für Sie auch eine kulturelle Aufgabe des Wahrnehmens und Umdenkens?
Der Klimawandel ist eigentlich nur ein Symptom für ein verlorengegangenes Verständnis, dass auch der Mensch Teil der Natur ist und auf seine Umwelt und deren Funktionsfähigkeit angewiesen ist. Daher geht es nicht nur um CO2-Reduktion, sondern um ein tiefgreifendes Umdenken. Das ist ein Kulturwandel und damit eine zutiefst kulturelle Aufgabe.

Welche besondere Verantwortung tragen Kulturbetriebe, Künstler:innen und Institutionen Ihrer Ansicht nach in der nachhaltigen Transformation?
Es geht einerseits darum, die Transformation selbst zu leben, und andererseits auch darum, diese Transformation sichtbar zu machen und zu einer solchen zu ermutigen – kurz: den Fußabdruck verkleinern und den Handabdruck vergrößern. Kulturbetriebe, Künstler:innen und einschlägige Institutionen sind meines Erachtens prädestiniert dazu, in die Gesellschaft zu wirken. Um glaubwürdig zu sein, müssen sie allerdings auch ihre Hausaufgaben machen – was in manchen Fällen, zum Beispiel bei großen Kulturfestivals, eine echte Herausforderung ist.

Was erwarten Sie von einem Klassikpublikum, wenn es um klimabewusstes Handeln geht – und welche konkreten Schritte können Konzerthäuser, Orchester und Besucher:innen bereits heute setzen?
Im Bereich „Fußabdruck“ spielt etwa die Reisetätigkeit eine wichtige Rolle. Das beginnt bei der Anreise aller Beteiligten – in Wien sind die „Öffis“ hoffentlich bereits eine Selbstverständlichkeit. Aber vielleicht wäre es noch wichtiger, sich über das Eintauchen in die Musik wieder als Teil eines Ganzen zu erleben, Kraft zu schöpfen, für dieses Ganze und seinen Erhalt einzustehen und dies in der Folge vorzuleben und die Freude daran mit anderen zu teilen.

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