Weitergeführt – Fokus Francesca Verunelli
Von Francesca Verunelli
22.03.2026
Dass ich Komponistin werde,
war mir bereits als Jugendliche klar. Es gab keine Alternative, auch wenn ich die ersten Jahre nur „für die Schublade“ geschrieben habe.
Am Beginn einer Komposition steht für mich …
keine konkrete Idee, sondern eine größere Vision, die mir ein klares inneres Gefühl davon vermittelt, was das Stück sein wird. Dann begebe ich mich auf eine lange Recherche-Expedition und weiß ganz genau, wohin es nicht gehen soll. Manchmal fühle ich mich wie auf hoher See: Man hat keine Ahnung, wann und wo man wieder Festland betreten wird.
Meine Arbeit als Komponistin ist vergleichbar mit …
einem langen Prozess, der sich von unzähligen mikroskopisch kleinen Aspekten hin zu einem poetischen Kern bewegt, einem Kern, der nur in Beziehung zu den inneren Elementen existiert, die ihn zum Leben erwecken.
An Instrumenten und der menschlichen Stimme interessiert mich …
das grenzenlose Vermögen von Instrumental- und Vokalklängen, das Geheimnis unserer menschlichen Existenz zu berühren.
Ich höre Musik, die …
mir Fragen stellt, ganz gleich aus welchem Genre sie kommt. Es ist für mich keine ästhetische Entscheidung.
Um zeitgenössische Musik zu hören,
muss man nichts darüber wissen. Es erfordert Neugier, offene Ohren und die Bereitschaft, sich auf etwas Unbekanntes einzulassen. Es ist Musik aus unserer Lebensumgebung und sagt daher viel über uns Menschen aus.
Alte Musik fasziniert mich, weil …
ich mich intensiv mit Fragen zu Stimmungen und Temperierung beschäftige. Besonders interessiere ich mich für Musik vor der Einführung der gleichstufigen Stimmung der zwölf Töne und die theoretischen Fragen, die sie aufwirft. Die musikalischen Möglichkeiten abseits dieser Stimmung bieten ein breites Forschungsfeld, das viel Potenzial für neue harmonische Entwicklungen mit sich bringt.
Mich motiviert,
dass es noch so viel Musik gibt, die komponiert werden will. Es fühlt sich für mich an, als stünde ich erst am Beginn eines unerforschten Kosmos.