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Kultur im Klimawandel – Der Programmschwerpunkt „Fokus Klima: ZERO?“

© Wolf-Dieter Grabner
Von 14. bis 22. März möchte der Musikverein mit dem Programmschwerpunkt „Fokus Klima: ZERO?“ im Zuge einer Konzertwoche einen Beitrag zum Klimaschutz in der Klassik leisten. Hierfür hat er internationale Expert:innen aus Wissenschaft, Kunst und Kultur eingeladen – von der österreichischen Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb bis zum finnischen Dirigenten Esa-Pekka Salonen.

Von Redaktion

20.02.2026

Wenn sich im März die Natur aus dem Winterschlaf zurückmeldet, widmet sich der Musikverein in hochkarätig besetzen Gesprächen, Vorträgen und Diskussionsrunden der Bewusstseinsbildung in Sachen Klimaschutz. Eine beispielhafte Konzertwoche mit Klangkörpern wie dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia Roma, den Wiener Symphonikern, den Wiener Philharmonikern und dem Swedish Radio Symphony Orchestra bildet den Rahmen für einen Veranstaltungsreigen, der Einblicke in die aktuelle Diskussion geben möchte: Welche Möglichkeiten hat die Klassikbranche, sich dem Klimaschutz zu widmen und das eigene Tun im Rahmen der Möglichkeiten klimafreundlicher zu gestalten? Welche Hebel zur Verbesserung kann man ansetzen, im Gebäude des Musikvereins beispielsweise, bei den Künstler:innen oder beim Publikum? Was ist erreichbar, was nicht, wie kann die Zukunft aussehen? Welche Ansätze, Ideen und Erfahrungen gibt es in der Klassikbranche in den Bemühungen um Transformation und mehr Nachhaltigkeit? Dafür hat der Musikverein eine ganze Woche mit Vorträgen, Interviews und Diskussionsrunden gestaltet – jeweils vor und nach den Konzerten des Festivals. Alle Vorträge und Diskussionsrunden sind bei freiem Eintritt zugänglich – auch ohne Konzertkarte.

Den Auftakt gestaltet am 17. März Österreichs renommierte Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, die die aktuelle wissenschaftliche Lage einordnen und zentrale Fragen stellen wird: Wo stehen wir beim globalen Klimawandel, welche Prozesse sind unumkehrbar, welche Handlungsspielräume bleiben? Ihre These: Klimaschutz verlangt mehr als technologische Lösungen – nämlich eine kulturelle Transformation, die unser Denken, Wahrnehmen und Handeln verändert. Nach dem anschließenden Konzert des Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia Roma unter der Leitung von Daniel Harding diskutieren Expert:innen aus der Musikpraxis: Katrin Lerchbacher von der Organisation „Orchester des Wandels“, die Konzepte für klimafreundliches Handeln im Klassikbetrieb entwickelt, und Mauro Bucarelli von der Accademia Nazionale di Santa Cecilia zeigen, wie Orchester ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren können. Von nachhaltigen Tourneen über neues Repertoire bis zu einem bewussten Ressourcenmanagement entsteht ein Bild davon, wie Klimaschutz im Musikbetrieb konkret aussehen kann.
Am 18. März führt Meteorologe Marcus Wadsak vor Augen, wie nah die Klimakrise unserem Alltag bereits gekommen ist. Er übersetzt komplexe meteorologische Zusammenhänge in klare, anschauliche Beispiele und betont die Dringlichkeit: Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen des Klimawandels spürt – und die letzte, die sie noch begrenzen kann. Nach einem Konzert der Wiener Symphoniker unter Robin Ticciati widmet sich eine Gesprächsrunde der Umsetzung im Kulturbetrieb. Jan Nast, Intendant der Wiener Symphoniker, berichtet über nachhaltige Maßnahmen im Orchesteralltag. Annett Baumast von der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht ergänzt eine strategische Perspektive: Sie gibt einen Überblick, welche Strategien für mehr Klimaschutz in der Kultur es in der deutschsprachigen Musik- und Kulturlandschaft gibt. Dabei wird deutlich werden, wie Umweltmanagement, Organisationsentwicklung und Kommunikation zusammenwirken müssen, damit Veränderung dauerhaft wird.

© Wolf-Dieter Grabner

Am 19. März steht der größte Hebel im Konzertbetrieb im Fokus: die Mobilität. Zukunftsforscher Stefan Carsten erläutert, wie sich Verkehr, Stadtstrukturen und Infrastrukturen verändern müssen, um Kultur und Gesellschaft klimafreundlicher zu gestalten. Mobilität ist dabei nicht nur ein praktisches, sondern auch ein kulturelles Thema – sie prägt, wie wir Städte erleben und Kultur leben. Das darauffolgende Konzert der Wiener Philharmoniker dirigiert Zubin Mehta. Im Anschluss wird Wien selbst zum Anschauungsbeispiel: Thomas Madreiter, Planungsdirektor der Stadt Wien, zeigt anhand der „Smart City Wien“, wie klimafreundliche Mobilität, kurze Wege und soziale Nachhaltigkeit miteinander verflochten sind. Gemeinsam mit Nicola Bramkamp diskutieren die Expert:innen, welche Rolle Kulturinstitutionen bei der Entwicklung neuer Mobilitätskulturen spielen können. Stephan Pauly präsentiert zudem erste Ergebnisse einer Publikumsumfrage, die untersucht, wie Konzertbesucher:innen tatsächlich anreisen und wo Potenziale für klimafreundliche Mobilitätsangebote liegen.
Über die Grenzen der Klassikbranche hinweg richtet sich der Blick des Festivals am 20. März – hin zur Frage, was ein Konzert zu einem Green Event macht. Anita Malli, verantwortlich für die Nachhaltigkeit des Eurovision Song Contest, und Christian Pladerer vom Österreichischen Ökologie-Institut beleuchten Energieverbrauch, Materialeinsatz, Kreislaufwirtschaft und umweltfreundliche Technik. Sie zeigen, wie nachhaltige Kulturproduktion in Pop und Klassik aussehen kann – und warum Kommunikation und klare Haltung entscheidend sind. Nach dem Konzert folgen institutionelle Perspektiven: Wiebke Stockinger (Hallen E&G, MuseumsQuartier Wien), Intendant Stephan Pauly und Kaufmännische Direktorin Renate Futterknecht (Musikverein) diskutieren, wie Nachhaltigkeit langfristig in Programmgestaltung, Betrieb und Publikumsarbeit verankert werden kann. Dabei wird auch ein Einblick gegeben, wie der Musikverein selbst an klimafreundlichen Strukturen arbeitet – ein Abend, der unterstreicht, dass die Bühne der Zukunft nicht nur künstlerisch, sondern auch ökologisch gestaltet wird.
Kunst ist mehr als Ausdruck – sie ist Haltung. Schauspieler Cornelius Obonya, bekannt aus Theater, Film und Fernsehen, engagiert sich für den Klimaschutz und spricht am 21. März mit der Green-Producing-Expertin Marion Rossmann über die Wichtigkeit des bewussten Eintretens für den Wandel – auch in der Film- und Fernsehproduktion: Wie „grün“ kann man produzieren? Es geht dabei auch um die Verantwortung von Kunstschaffenden heute: Sollten Künstler:innen ihre Bekanntheit nutzen, um öffentlich für Klimaschutz einzutreten? Und wie verändert sich die Atmosphäre in Film, Fernsehen und Theater, wenn Nachhaltigkeit zur Produktionsrealität wird? Es geht um Kunst, die nicht belehrt, sondern Bewusstsein öffnet. Nach einem Konzert des Swedish Radio Symphony Orchestra rückt erneut die Orchesterpraxis in den Fokus – diesmal international: Esa-Pekka Salonen und Staffan Becker erläutern, wie das Swedish Radio Symphony Orchestra nachhaltige Strukturen etabliert, von energieeffizienten Arbeitsabläufen bis zu sozial nachhaltigen Modellen. Im Gespräch mit Nicola Bramkamp wird deutlich, dass Transformation gelingt, wenn Vision und Umsetzung zusammenkommen und wenn Kunst, Kulturproduktion und Klimaschutz konsequent zusammengedacht werden.
Im Abschlussevent am 22. März wird beispielhaft gezeigt, wie nachhaltige Produktion und künstlerische Innovation zusammengehen können. Gast ist der international gefragte Musiker und Komponist Manu Delago, der mit seiner „ReCycling Tour“, die er auf dem Fahrrad zurücklegte, ein Ausrufezeichen für nachhaltige Konzertreisen setzte. Sein Kurzfilm „From the Alps to the North Sea“, der auf vielen Festivals gezeigt wurde, steht auch im Musikverein auf dem Programm.
Über dieses umfangreiche Diskussions- und Gesprächsprogramm hinaus strebt der Musikverein erstmals an, alle Veranstaltungen, auch die Konzerte des Programmschwerpunkts, als zertifiziertes Green Event auszurichten: mit umweltfreundlicher Produktion aller Drucksorten, regionalem und saisonalem Catering, Mehrweggeschirr sowie 100 Prozent Ökostrom im gesamten Haus. Während der Festivaltage werden Energie, Materialien und Ressourcen besonders sparsam eingesetzt. Besucher:innen erhalten laufend Informationen über klimafreundliche Anreise und nachhaltiges Verhalten. In Kooperation mit den Wiener Linien steht allen Konzertbesucher:innen ein exklusives Kontingent an Freiminuten für die Nutzung der WienMobil Räder zur Verfügung. Zu diesem Zweck wird vor dem Musikverein für die Dauer des Klimafestivals eine temporäre WienMobil-Radstation eingerichtet. Gemeinsam mit zertifizierten Partner:innen und Lieferant:innen setzt der Musikverein ein klares Zeichen für Verantwortung und Zukunftsfähigkeit – und lädt dazu ein, die Rolle der Kultur in Zeiten des Wandels neu zu denken.

Detaillierte Informationen finden Sie im Kalendarium und hier.

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