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Komponistin durch und durch – Fokus Emilie Mayer

© Wikimedia Commons
Mit Emilie Mayer (1812–1883) rückt die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien auch 2026/27 wieder eine historische Komponistin in den Fokus. In Orchester-, Kammermusik- und Liedprogrammen sind eine ganze Reihe von Werken dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit zu erleben, die einst mit ihrem umfassenden Œuvre von ausgeprägtem persönlichem Stil Anerkennung erfuhr.

Von Lena Frömmel

22.03.2026

Eine echte Künstlernatur mit der „Produktionsfähigkeit gleich einer sprudelnden Quelle“, die auf gesellschaftliche Konventionen pfeift und sich ganz der Musik widmet – so beschreiben Zeitgenossinnen Emilie Mayer. Sie selbst trägt sich mit dem Zusatz „Componistin“ in die öffentlichen Adressbücher Berlins und Stettins ein und ist eine der Ersten, die den Beruf des Komponisten bzw. der Komponistin prägt, war doch das Komponieren bis in diese Zeit in der Regel Teil anderer Berufe wie dem eines Kapellmeisters oder Kirchenmusikers.

1812 geboren und aufgewaschen in der kleinen Stadt Friedland in Mecklenburg, wo ihr Vater Apotheker war, erhält Emilie Mayer mit fünf Jahren Klavierunterricht beim lokalen Organisten. Schon bald soll sie ihre ersten Stücke komponiert haben. Nach dem Tod ihres Vaters 1840 zieht sie nach Stettin, um bei dem berühmten Kantor, Organisten und vor allem für seine Balladen bekannten Komponisten Carl Loewe Kompositionsunterricht zu nehmen. Von Anfang an pflegt sie ihren eigenen, durch formale Klarheit an der Klassik orientierten, zugleich aber in Ausdruck, Rhythmik und Harmonik in die Romantik vorausweisenden Kompositionsstil. 1847 geht sie nach Berlin und setzt ihre Studien bei Wilhelm Wieprecht und Adolf Bernhard Marx fort. In Berlin veranstaltet sie die ersten öffentlichen Konzerte mit ausschließlich eigenen Werken und komponiert ab dieser Zeit acht Symphonien – und damit mehr als die meisten ihrer männlichen Zeitgenossen.

Wie genau Emilie Mayer, die unverheiratet blieb, ihren Lebensunterhalt bestritt, ist unklar. Die Organisation von Konzerten war – zumal bei großer Orchesterbesetzung – kostspielig, und auch der Verkauf von Noten konnte nicht allzu viel Geld einbringen. Anders als andere arbeitete Mayer nicht als Musikpädagogin oder Konzertsolistin, sondern widmete sich ganz dem Komponieren.
Neben den acht Symphonien schrieb Emilie Mayer etliche Konzertouvertüren und vor allem Kammermusik, darunter einige Klaviertrios und Streichquartette. Von ihren Liedern und Klavierstücken sind nur wenige überliefert. In ihrem symphonischen Œuvre zeigt sich ihre höchst persönliche Tonsprache einmal lyrisch, dann wieder leidenschaftlich, mit fesselnden Spannungsbögen, doch nie überladen. Ihre Kammermusikwerke sind geprägt von klarer Struktur, kompositorischen Feinheiten und vielfältiger Themengestaltung. In ihren ersten veröffentlichten und dadurch erhaltenen Liedern beweist sie bereits am Beginn ihrer Studienzeit das Geschick, Klarheit und einfache melodische Mittel mit Ausdruck zu verbinden. Ihre späteren Lieder sind reichhaltiger gestaltet; insbesondere ihre zweite „Erlkönig“-Vertonung aus dem Jahr 1870 – entstanden 28 Jahre nach der ersten – steckt voller Dramatik. In den vergangenen Jahren hat Mayer wieder das Interesse der Musikwelt geweckt: Ihre Werke werden vermehrt in Konzerten gespielt, und auch die Forschung beschäftigt sich weiter mit Fragen zu Mayers Biographie und ihrem Kompositionsstil.

Eines ihrer letzten und zugleich erfolgreichsten Werke ist die Faust-Ouvertüre, op. 46, die als Partitur und Orchesterstimmen sowie als Bearbeitung für Klavier zu vier Händen veröffentlicht wurde. Damit ist dies das einzige zu Emilie Mayers Lebzeiten gedruckte Orchestermaterial ihrer Werke. Das unterstreicht den großen Erfolg der Faust-Ouvertüre und Emilie Mayers Ansehen als Komponistin, denn meistens veröffentlichten Musikverlage nur Noten für kleinere Besetzungen. Noten für Orchester brachten zu geringe Verkaufszahlen.

Anfang 1856 wurde Emilie Mayer von Erzherzogin Sophie in Wien empfangen. Die Komponistin blieb ein paar Monate in der Stadt, baute ihr Netzwerk aus und trat auch mit der Gesellschaft der Musikfreunde in Kontakt. Da sie selbst kein Orchester leitete – der Beruf des Kapellmeisters war zu der Zeit Männern vorbehalten –, stand ihr kein festes Ensemble für Proben und Konzerte zur Verfügung. Mit ihren guten Kontakten organisierte sie dennoch viele Konzerte in Berlin und Stettin. Auch in anderen Städten wie Köln, Halle, Leipzig, München, Brüssel und Prag sind Aufführungen ihrer Werke dokumentiert.
Der kreative Geist Emilie Mayers verschuf sich auch außermusikalisch und mit einem ungewöhnlichen Werkstoff Audruck: Mit Liebe zum Detail knetete sie kleine Ornamente aus Weißbrot und dekorierte damit hölzerne Vasen. Sie schenkte diese wichtigen Persönlichkeiten und bekam öffentliche Anerkennung für ihre Kunstwerke.

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