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Ausgangspunkt Visitenkarte – Anton Dermota und seine Autographensammlung

© Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien
Es begann mit einer Visitenkarte. Anton Dermota (1910–1989), prägender Wiener Mozart-Tenor, bekam zu seinem 50. Geburtstag als Geschenk eine von Johannes Brahms vollbeschriebene Visitenkarte. Damit hatte ihn die Sammelleidenschaft gepackt. Bei seinem Tod zählte seine Sammlung allein weit über 600 Autographen von Komponisten, Musikerinnen und Musikern, dazu noch zahlreiche Autographen aus Kunst, Literatur und Wissenschaft. Ein großer Teil befindet sich in Archiv, Bibliothek und Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und wurde nun durch eine Schenkung erweitert.

Von Johannes Prominczel

29.06.2026

Für Opernfans gilt Anton Dermota vielleicht als Idealbesetzung des Don Ottavio (im „Don Giovanni“), Ferrando (in „Così fan tutte“) oder Tamino (in der „Zauberflöte“). Spätestens ab dem Zweiten Weltkrieg war er einer der prägenden Tenöre an der Wiener Staatsoper, bis ins hohe Alter mit beeindruckender Stimme. Allein im Musikverein sind knapp 250 Auftritte belegt. Für Händler wie für Sammler gilt Anton Dermota hingegen als einer der bedeutendsten Autographensammler seiner Zeit. Seine Sammlung überzeugte durch ihre Größe wie auch durch die Qualität der einzelnen Stücke. So gab es etwa exquisite Handschriften von Beethoven, Brahms, Bruckner, Haydn, Mahler, Mozart und Schubert.
Die gesamte Sammlung war bereits 1971 so groß und bedeutend, dass die Österreichische Nationalbibliothek eine Sonderausstellung organisierte. Wenige Jahre vor seinem Tod überließ sie der Sänger der Nationalbibliothek als Dauerleihgabe, auch um bedeutende Musikmanuskripte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach und nach entschieden sich die Erben, die Sammlung zu verkaufen. Bedeutende Stücke kaufte die Österreichische Nationalbibliothek an, aber auch – häufig mit Mäzenatenhilfe – die Gesellschaft der Musikfreunde, darunter sogar
ein Andantino aus der Hand von Wolfgang Amadeus Mozart, die Niederschrift von 20 Takten einer Gluck-Arie
(KV Anh. A 41).

© Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

In jüngerer Vergangenheit wurden (und werden) weite Teile der noch verbliebenen Sammlung aufgelöst. Im Zuge dessen konnte die Gesellschaft der Musikfreunde einige Stücke erwerben. Darunter ist auch jene Visitenkarte von Johannes Brahms, die Dermota zum Sammeln verführte. Erwähnenswert sind einige Briefe an Mathilde Marchesi (1821–1913). Marchesi war Konzertsängerin, vor allem war sie als Pädagogin in Wien und Paris erfolgreich. Mit einer Unterbrechung unterrichtete sie 17 Jahre am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde. Ihre vielleicht bekanntesten Schülerinnen waren Selma Kurz und Nellie Melba (der zu Ehren ein französischer Koch den Eisbecher „Pfirsich Melba“ kreierte). Marchesi muss selbst ein Autographenalbum besessen haben, denn es gibt eine Reihe ihr gewidmeter Albumblätter, etwa von Charles Gounod oder Giacomo Puccini, die nun im Musikverein aufbewahrt werden.
Dankenswerterweise haben die Töchter von Anton Dermota, Jovita und Tatjana, alle Stücke, die direkt an ihren Vater gerichtet sind, der Gesellschaft der Musikfreunde als Geschenk überlassen. Darunter sind Briefe, Widmungen und Noten von Gottfried von Einem, Fritz Wunderlich, Karl Böhm, Joseph Marx, Marcel Rubin und vielen anderen, knapp 100 Autographen. Diese Sammlung wird im Archiv des Musikvereins separat aufbewahrt und dokumentiert als Splitternachlass die persönlichen Beziehungen und das Netzwerk des großen Sängers. Und des großen Autographensammlers.

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